Ganz großes Kino!

Wie Peter Beddies zum Film kam

Mal ganz ehrlich: Würden Sie nicht auch gern mal Dustin Hoffmann, Jody Foster, Clint Eastwood oder Catherine Deneuve zum Interview treffen? Vielleicht sogar in Paris oder Rom? Und bei den Filmfestspielen in Cannes und Venedig dabei sein, um den Stars Geheimnisse zu entlocken, die diese noch keinem verraten haben?

„Das ist mein Traumjob“, sagt Peter Beddies. Der sächsische Journalist interviewt seit 20 Jahren die Großen der Filmszene. 5.000 bis 6.000 Interviews hat er bisher geführt. Und festgestellt: Stars sind auch nur Menschen. Gern erinnert er sich an einen lustigen Abend mit Hannelore Elsner. Nach mehreren Gläsern Rotwein war Elsner sehr gelöst – so gelöst, dass sie am nächsten Tag den zweiten Teil des Interviews zurückzog. Als absoluter Profi entpuppte sich hingegen Dustin Hoffmann. Mitten im Gespräch über seinen neuen Film fing der Schauspieler an zu weinen. Beddies war gerührt und bestürzt zugleich. Später stellte er fest, dass Hoffmann in jedem Interview an derselben Stelle in Tränen ausgebrochen war. Regelrecht unangenehme Erinnerungen bleiben an ein Treffen mit Steven Seagal in Rom: Der Action-Schauspieler schlief mitten im Interview ein.

An diesem 28. Februar – dem Tag nach der Oscar-Verleihung – haben sich junge und junggebliebene Journalisten zum Stammtisch LeMoMo* im Leipziger Passage Kino versammelt. Und wollen von dem 44-Jährigen wissen: Was macht einen guten Filmjournalisten aus? Einerseits: Optimale Vorbereitung auf den Interviewpartner. Sie ermögliche es, sich den Punkt herauszusuchen, nach dem bisher niemand gefragt hat. Und so ein exklusives Interview zu bekommen, das viele Abnehmer findet. Andererseits: Ausdauer. Überhaupt müsse man, um in einer solchen Nische Fuß zu fassen, zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

So wie Beddies, der 1988 sein Journalistik-Studium in Leipzig begann. Im Jahr darauf wurde er gefragt, ob er nicht Lust habe, sich im Rahmen des Studiums Filme anzusehen und darüber zu berichten. Wenig später stellte eine Kollegin, die bei Warner Brothers tätig war, die alles entscheidende Frage: „Könnten Sie sich vorstellen, in 14 Tagen nach Hamburg zu fliegen und Clint Eastwood zu interviewen?“ Beddies konnte. Seit 1992 führt er regelmäßig Interviews mit Promis: anfangs auf der Leipziger Dokfilmwoche, dann auf der Berlinale, später flog er zu den Internationalen Filmfestspielen nach Cannes und Venedig. Mittlerweile bekommt er drei bis vier Interviewangebote pro Woche, schaut sich pro Jahr ca. 200 Filme an. Seine Themen verkauft der freie Journalist u.a. an die Welt, die Berliner Morgenpost und die Leipziger Volkszeitung. Und er berichtet über neue Filme und deren Schauspieler regelmäßig bei MDR INFO.

Bleibt die Frage: Kann ein Filmjournalist auch mal als Privatperson einen entspannten Kinoabend verbringen? Beddies‘ Frau schüttelt sofort den Kopf. Der Experte sei immer mit dabei. Beddies gibt ihr lachend recht: „Stimmt. Ich bin keine gute Kino-Begleitung.“

Regina Raedler

 * LeMoMo: der DJV-Stammtisch in Leipzig immer am letzten Montag im Monat. Mehr dazu in unserem blog intern 

Über djvintern
Der DJV Sachsen wurde 1990 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband die Interessenvertretung der Journalistinnen und Journalisten im Freistaat Sachsen.

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