Weiß die Geier….? (Der wandelnde Duden)

Der „wandelnde Duden“ von Chemnitz geht in den Ruhestand
Linguistin Dr. Ruth Geier gilt bei Studenten als Vertrauensperson

Ihre Studenten kennt Ruth Geier alle mit Namen. Im heutigen Hochschulbetrieb ist das alles andere als selbstverständlich. „Studenten sind für mich mehr als nur eine Matrikelnummer“, sagt die promovierte Germanistin. Im Alter von 65 Jahren geht die gebürtige Eisenacherin Ende September offiziell in den Ruhestand. Wer Ruth Geier einmal erlebt hat, kann sich Ruhestand bei ihr allerdings nicht so recht vorstellen. Und für einen Nachruf ist allemal viel zu früh. „Ich bleibe weiterhin immer erreichbar“, betont denn auch die Sprachwissenschaftlerin und stellt klar, dass sie nur in den Ruhestand geht, weil das der öffentliche Dienst so vorsieht keineswegs aus eigenem Antrieb.


In den vergangenen zehn Jahren war Ruth Geier Lehrkraft an der Technischen Universität Chemnitz, hat die dortige Fachrichtung Medienkommunikation mit aufgebaut und für allerlei Schlagzeilen in der sächsischen Medienwelt gesorgt. Dabei war die Medienkommunikation anfangs auch für die erfahrene Wissenschaftlerin Neuland. „In Leipzig bin ich zuvor Hard-Core-Linguistin gewesen“, sagt sie. In Chemnitz hat sich die Germanistin mit der Sprache als Medium in der Massenkommunikation beschäftigt und gemeinsam mit ihren Studenten hautnah erlebt, wie rasch sich Sprache im Online-Zeitalter verändert und mitunter ganz abgesehen von offiziellen Rechtschreibreformen manche Orthografieregeln im Alltag an Bedeutung verlieren. „Mir macht es nichts aus, wenn das eine oder andere Genitiv-S verschwindet“, sagt Geier. Die Sprache sei im ständigen Wandel, das sei schon immer so gewesen. „Ich gehöre nicht zu denen, die den Schlüpfer oder die Wählscheibe retten wollen“, erklärt sie mit Blick auf Begriffe, die aussterben. Wenn bestimmte Wörter nicht mehr benötigt werden, dann verschwinden sie auch aus dem Sprachgebrauch.

„Wir können nicht alles, aber Deutsch“ unter diesem Motto bietet die Germanistin eine kostenlose Sprachberatung an. Das hat sich inzwischen weltweit herumgesprochen. Selbst aus Korea oder den USA erreichen die Sprachberaterin und ihre Studenten unterschiedlichste Anfragen. Dabei geht es um die Herkunft bestimmter Wörter, die korrekte Verwendung des sogenannten Fugen-s bei zusammengesetzten Begriffen oder den richtigen grammatikalischen Fall. Die Anfragen kämen aus allen Berufs- und Altersgruppen, sagt die Wissenschaftlerin. Diese Beratung soll in jedem Fall erhalten bleiben. Die meisten Anfragen kämen inzwischen per E-Mail, und deren Beantwortung sei nicht an ein Büro in einer Hochschule gebunden. Die Sprachberatung hatte Geier 1995/96 auf Initiative der Gesellschaft für deutsche Sprache in Leipzig begonnen und in Eigenregie mit Unterstützung der TU Chemnitz bis heute erhalten.

Sichtlich stolz ist Ruth Geier auf die Studentischen Medientage an der TU Chemnitz, die in diesem Jahr zum siebten Mal stattfanden.“Sie sind mein Kind“, sagt sie. Als Gast bleibe sie den Medientagen weiterhin erhalten und biete ihre langjährigen Verbindungen zwischen Wissenschaft und Praxis auch für die kommenden Medientage an.

Von ihren Studenten, zu denen sie fast ein mütterliches Verhältnis pflegt, erntet sie durchweg Lob: Sie hört zu, hilft Probleme zu lösen, treibt Projekte und Karrieren voran, sagt beispielsweise Kathleen Kunert, die inzwischen an der Hochschule der Medien in Stuttgart ihren Master vollendet. Insgesamt habe Ruth Geier „einfach mehr Energie in ihren Job gesteckt als andere Lehrkräfte und damit eine starke Bindung auf Augenhöhe zu den Studenten aufgebaut“. Patrick Mai, der nach seinem theoretischen Bachelor-Grundlagenstudium in Chemnitz inzwischen ebenfalls in ein praxisorientiertes Studium nach Stuttgart wechselte, ist sich sicher: „Angenommen, es gäbe ein öffentliches Ranking für alle Lehrbeauftragten der TU Chemnitz – Ruth Geier würde ohne jeden Zweifel einen der obersten Plätze einnehmen. Ich war immer wieder positiv überrascht, mit welcher Energie und Motivation sie sich für alle Studenten eingesetzt hat.“ Neben ihrer fachlichen Kompetenz als Dozentin und Fachstudienberaterin zeichne sie sich besonders durch ihre offene und kommunikative Persönlichkeit aus.

Ihre Chefin, Professorin Claudia Fraas, sagt: „Ich kenne Ruth Geier als mitreißende, engagierte Mitarbeiterin, die mit ihrem Elan Berge versetzten kann und mit dem ihr eigenen Durchsetzungsvermögen sehr viel bewegt.“ Sie habe über die Jahre immer wieder Praxisprojekte akquiriert, die sie gemeinsam mit den Studierenden umsetzten konnte. Besprechungen mit den Studierenden würden auch einmal bei ihr zu Hause abgehalten, wo viele der neuen Ideen entstünden. „Wir werden uns dafür einsetzten, dass Frau Dr. Geier den Studierenden auch in Zeiten leerer Kassen über Lehraufträge auf Honorarbasis erhalten bleibt“, kündigt die Inhaberin der Lehrstuhls für Medienkommunikation an. Fraas hatte Geier nach eigenen Angaben vor zehn Jahren zur Unterstützung beim Aufbau des damals neuen Studiengangs Medienkommunikation nach Chemnitz geholt.

Wenn die Sprachexpertin nun einen Gang zurückschalte und ihrer Universität so langsam den Rücken kehre, dann gehe ohne Frage ein kleiner Baustein des großen Hauses TU Chemnitz“ verloren, ist sich Uni-Sprecher Mario Steinebach sicher. „Geier war und ist für viele Journalisten eine wichtige Ansprechpartnerin, wenn es um Fragen rund um die deutsche Sprache ging oder um die Bewertung von Plakaten im Wahlkampf.“ Ihr Name und der Name der Universität fänden sich in unzähligen Artikeln.

Gemeinsam mit der Pressestelle der TU Chemnitz initiierte sie so manches Projekt – zum Beispiel eine UniJournal-Beilage in der „Freien Presse“, erinnert Steinebach. Im laufenden Jubiläumsjahr der TU sorge sie mit „Chemnitz 1836 – Die etwas andere Chronik“, die sie gemeinsam mit ihren Medienkommunikationsstudenten multimedial inszenierte, erneut für Aufmerksamkeit. Als „wandelnder Duden der TU Chemnitz“ werde sie sicher auch weiterhin den Kontakt zu ihrer Hochschule bewahren, ist der Uni-Sprecher überzeugt.

Rückblickend sagt Ruth Geier: So interessant, wie die Jahre in Chemnitz waren, so anstrengend seien sie auch gewesen. „Ich habe eine Wochenendbeziehung geführt, habe fünf Tage pro Woche in Chemnitz gewohnt und bin nach Leipzig zu meiner Familie gependelt.“ Chemnitz habe sie dabei jedoch auch schätzen gelernt, sagt sie. Das Leben sei hier um einiges bescheidener als in Leipzig. Geier kündigte an, gemeinsam mit dem DJV Sachsen weitere Projekte anzukurbeln wenn sie jetzt neben verbleibenden Lehraufgaben mehr Zeit findet.

(L. Müller)

Fotomontage: Bildarchiv der Pressestelle/Wolfgang Schmidt

Allgemeine Regeln zur Bildung des Perfekts

Das Perfekt wird auch als vollendete Gegenwart bezeichnet und findet vor allem in der gesprochenen Sprache Anwendung. Es wird mit dem Hilfsverb sein oder haben und dem Partizip Perfekt des Vollverbs gebildet. Beispiele hierfür sind: sie ist gegangen und er hat verschlafen. Doch wann verwendet man denn nun das Hilfsverb sein und wann haben? Relativ einfach kann man es sich wie folgt merken: Bewegungsverben, also Verben, die eine Orts- oder Zustandsänderung ausdrücken (wie z.B. laufen, fliegen, fahren, einschlafen, sterben) werden mit sein gebildet. Stehen hingegen der Vorgang bzw. das Geschehen an sich im Vordergrund, d.h. wird die Folge oder das Ergebnis eines Geschehens betont (wie z.B. bei den Verben liegen, sitzen, stehen), verwendet man haben.

Hierbei sollte man aber beachten, dass zahlreiche Verben, je nach Kontext, sowohl eine Bewegung als auch ein Ergebnis ausdrücken können.

An den Verben fahren und tanzen lässt sich dieser Aspekt verdeutlichen. ‚Er ist nach Köln gefahren.’ bezeichnet eine Ortsänderung. Daher erfolgt die Bildung des Perfekts mit sein. Bei ‚Er hat mich nach Köln gefahren.’ wird hingegen das Ergebnis betont, weshalb hier das Hilfsverb haben verwendet wird. Ähnlich verhält es sich beim Verb tanzen. In dem Satz ‚Ich habe mit meinem Partner den ganzen Abend getanzt.’ steht der Aspekt der Bewegung im Vordergrund. Bei ‚Ich bin mit meinem Partner durch den ganzen Saal getanzt.’ wird jedoch wiederum das Ergebnis betont.

Ein weiteres Problem wird bei dem Verb reiten deutlich. So heißt es ‚Ich bin durch das Feld geritten.’ Wird die Aussage jedoch derart spezifiziert, dass man sagt ‚Ich habe gestern mein Pferd geritten.’ muss das Perfekt mit haben gebildet werden. Dabei kann man sich folgende Regel merken: Ist ein Verb mit einem Akkusativ-Objekt (im genannten Beispiel Pferd) kombinierbar (ein so genanntes transitives Verb), verwendet man haben. Wenn nicht, dann sein.

Das Problem mit den Dialekten

Wie bereits erwähnt, verwendet man das Perfekt im Deutschen eher in der gesprochenen Sprache. Dabei lassen sich jedoch regionale Unterschiede feststellen. Im überwiegenden Teil Deutschlands haben die genannten Regeln Gültigkeit. In Süddeutschland (so z.B. in Bayern und in Schwaben) sowie in einigen Teilen Westdeutschlands (z.B. Rheinland Pfalz) hingegen scheinen diese Regeln jedoch bei Verben der Position (wie legen, sitzen, stehen) außer Kraft gesetzt zu sein. Unabhängig davon, ob in einem Satz eine Orts- bzw.

Zustandsänderung ausgedrückt oder aber das Ergebnis eines Geschehens hervorgehoben werden soll, wird das Perfekt hier nur mit sein gebildet. So hat ein Bayer nicht, sondern is stundenlang im Biergarten g’sessn. Und ein Schwabe hat nicht neben dem Bayern gestanden, sondern isch nebe ihm g’stande.

Über djvintern
Der DJV Sachsen wurde 1990 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband die Interessenvertretung der Journalistinnen und Journalisten im Freistaat Sachsen.

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