Zukunft – nur mit uns

Am Morgen des 18. August lagen sie auf dem Tisch – die aktuellen Ergebnisse der Tarifverhandlungen  für Redakteurinnen und Redakteure  an Tageszeitungen.  Vorausgegangen sind dem nicht nur Nerven aufreibende Gespräche der Verhandlungskommissionen der Gewerkschaften mit dem Verlegerverband. Mit Streiks, Demonstrationen und Kundgebungen verliehen Journalisten bundesweit den Forderungen Nachdruck, verhinderten unter anderem, dass für Berufseinsteiger ein „Billigtarif“ eingeführt wird. In Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen haben sich die Journalisten für einen  unbefristeten Streik stark gemacht.

Das vorliegende Ergebnis ist kein Grund zum Jubeln. Zwei Einmalzahlungen 2011 und 2013, eine Anhebung der Gehaltssätze 2012 um 1,5 Prozent, das Festhalten am Manteltarifvertrag bis Ende 2013  und Minimalabschlüsse für Freie sind kein Ruhmesblatt. Manch einer, der in den letzten Wochen gekämpft hat, wird enttäuscht sein. Andere froh, dass endlich ein Ergebnis vorliegt.

Für die als Freie beschäftigten Mitarbeiter des MDR wurden kürzlich ebenfalls die Tarifverhandlungen abgeschlossen. Die Meinungen der Kolleginnen und Kollegen gehen auch hier auseinander. Akzeptabel nennen es die einen, schlecht die anderen. Wer beim MDR als Freier ein Mindesthonorar hat, profitiert von den Abschlüssen. Andere beklagen, dass noch immer kein ARD-Niveau erreicht wurde.

Egal, wie man die Abschlüsse sieht. Ein Signal muss von diesen Verhandlungen ausgehen.  Wir müssen uns bundesweit noch intensiver mit der Zukunft des Journalismus befassen. Wir müssen unsere Kräfte neu ausrichten und überlegen, wer künftig im DJV sein kann und muss. Die sich ändernde Medienwelt verändert das Bild des Berufes, neue Formen entstehen, den klassischen Tageszeitungsjournalisten wird es – meiner Meinung nach – in Zukunft so nicht mehr geben. Siegfried Weischenberg, renommierter Medienprofessor, hat kürzlich sogar behauptet, das Jahrhundert des Journalismus sei vorbei.

Egal, wie man alle Ergebnisse für sich bewertet, deutlich geworden ist: Die Verhandlungskommissionen allein werden es nicht besser machen können. Ohne das persönliche Engagement des Einzelnen wird  es in Zukunft nicht zu machen sein. Was in diesem Jahr als Echo auf die Kampfansage der Verleger aus sächsischen Medienhäusern kam,  war enttäuschend. Trotz persönlicher Gespräche und Einladungen war die Beteiligung aus Sachsen an der zentralen Kampf-Veranstaltung auf dem Römer in Frankfurt nur mäßig. Und als während der Verhandlungen die Verlage von LVZ und DNN ihre Tarif-Partnerschaft aufkündigten, blieb der Aufschrei aus den Redaktionen schlichtweg aus.

Für die Zukunft unseres Berufsstandes – auch wenn er sich verändert, neue Medien ihn bestimmen – müssen wir wieder näher zusammenrücken. Wir müssen darüber reden, wie das Berufsbild der Medienmacher aussieht, welche Erwartungen künftig an den DJV haben und wie sich jeder ein bringen kann uns muss, damit journalistische Qualität auch künftig oberstes Gebot bleibt und das Metier Spaß macht. Sonst  ist es wirklich schlecht bestellt um ein neues  Jahrhundert des Journalismus.

Die Zukunft des Journalismus und seiner Macher wird deshalb Thema der Mitgliederversammlung des DJV Sachsen am 5. Mai 2012 sein.

Sabine Bachert
1. Vorsitzende

Über djvintern
Der DJV Sachsen wurde 1990 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband die Interessenvertretung der Journalistinnen und Journalisten im Freistaat Sachsen.

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