leMoMo: Escher mal ganz anders

Der MDR-Moderator zu Gast beim Leipziger Stammtisch leMoMo

Die Bilanz ist beeindruckend: Mehr als 770 Fernsehsendungen in 17 Jahren, mit 57 Jahren einer der erfolgreichsten TV-Journalisten überhaupt, zahllose glückliche Zuschauer, die sich in ihrem Recht bestärkt sehen. „Das Allerschönste ist, wenn ich die Parteien zusammenbringen kann“ sagt Peter Escher, Moderator des gleichnamigen MDR-Ratgebers. Und erzählt, dass er und sein Team in all den Jahren immerhin 1.000 Fälle lösen konnten. Monatlich gehen etwa 2.000 Briefe in der Redaktion ein. Und obwohl sich die Probleme, bei denen die Zuschauer den Moderator um Hilfe bitten, (zwangsläufig) wiederholen, ist der Zuspruch nach wie vor groß.

Die 20 Journalistinnen und Journalisten, die der Einladung zum DJV-Stammtisch LeMoMo Ende Januar in Leipzig gefolgt sind, lauschen gespannt, als Escher erzählt, wie alles begann. Der Startschuss fiel im Jahr 1976 bei Radio DDR in Cottbus. Radio, gesteht der gebürtige Sachse, sei immer schon seine große Liebe gewesen. Ab Mitte der 80er Jahre fragte sich der Diplom-Journalist, der zu diesem Zeitpunkt Nachrichtensprecher bei DT 64 war, immer öfter, ob er seine Stimme „für solche Lügen“ hergeben möchte. Sein Bauchgefühl war eindeutig: nein. Nach der Ausreise in den Westen im Jahr 1989 kam der Wunsch, Radio zu machen, wieder auf – und nur wenige Tage später hatte Escher wieder einen Job beim Hörfunk. „Es ist ganz wichtig in der heutigen Zeit, dass man das Quäntchen Glück hat“, ist er sich sicher. In seinem Fall begegnete ihm das Glück 1992 in Gestalt von Hans Meiser bei RTL: Der Fernsehmacher plante eine tägliche Talkshow und nahm Escher mit in sein Team. Drei Jahre lang arbeitete Escher in der Meiser-Redaktion, sammelte wichtige Erfahrungen für seine eigene Sendung. 

Was kaum einer weiß: „Ein Fall für Escher“ sollte ursprünglich bei RTL laufen. Doch Produzent Meiser verhandelte mit dem MDR und schließlich wurde 1995 die erste Sendung ausgestrahlt. 2007 folgte die (lautstarke) Trennung von Hans Meiser, mit der neuen Produktionsfirma änderte sich auch der Name der Sendung. Im selben Jahr gründete Escher gemeinsam mit dem Hamburger Journalisten und Regisseur Rainer Nadollek eine eigene Produktionsfirma mit dem Ziel, unabhängig zu sein. Und, um sich seinem Herzensthema Gesundheit und Lebensqualität zu widmen, das ihm in den vergangenen Jahren auch privat immer wichtiger wurden: Der passionierte Sportler nahm 12 Kilo ab und stellte seine Ernährung um. Mit seinem neuen Team entstanden u.a. Imagefilme für Gesundheitseinrichtungen. Er wolle gern andere Menschen motivieren und mehr Lebensmut rüberbringen, so Escher. Das gelingt ihm bereits seit Jahren erfolgreich mit seiner eigenen Stiftung: Erst kürzlich konnten 30.000 Euro gesammelt werden, um die Forschung und Behandlung auf dem Gebiet der Kinderkrebsheilkunde zu unterstützen. Insgesamt kamen im Laufe der Jahre 1,5 Mio. Euro zusammen, die u.a. an Universitätskliniken in Mitteldeutschland gingen.

Was er glaube, warum er bei den Zuschauern so gut ankomme, wird Escher aus der Runde gefragt. „Es ist ganz wichtig, dass man den Job, den man macht, gerne macht“, so die klare Antwort. Im Übrigen erlebe er selbst auf der Straße regelmäßig Sympathiebekundungen, erzählt der Leipziger. Es komme schon mal vor, dass ihn jemand im Supermarkt mit einem persönlichen Fall konfrontiert und sich auch gleich eine Lösung dazu wünscht. Oder der Mann, der ihn neulich auf der Straße mit den Worten begrüßte: „Schön, Sie wiederzusehen!“. Als Peter Escher höflich einwandte, er könne sich gar nicht erinnern, stellte sich heraus, dass der begeisterte Zuschauer jeden Donnerstagabend den Fernseher einschaltet, um keine Sendung von „Escher – der MDR-Ratgeber“ zu verpassen. Neben den vielen Fans gebe es jedoch genauso viele, die ihn nicht leiden können, weiß er und meint ganz uneitel: „Vielleicht ist es ja auch gut so, nicht Everybody‘s Darling zu sein.“ Als sich Peter Escher nach zweieinhalb spannenden und unterhaltsamen Stunden verabschiedet, hat man das Gefühl: Der Moderator hat 20 Fans mehr.

Regina Raedler

LeMoMo – immer am letzten Montag im Monat in der Leipziger Kn

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Über djvintern
Der DJV Sachsen wurde 1990 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband die Interessenvertretung der Journalistinnen und Journalisten im Freistaat Sachsen.

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