Zeit ist Geld ist Zeit

Journalistische Treffvorschau für Austausch, Vernetzung und Horizont 

Flüchtigkeit ist das neue Problem, nicht nur bei Verlegern in Verlagen, sondern auch bei Inhalt und Form der schönen neuen Medienwelt, deren Lieblingswort eigenartigerweise Nachhaltigkeit ist. Doch auch die Wissenskluft wächst und bläst immer doller vor sich hin. Ein wenig Abhilfe in Form von Konferenzen, Foren und Werkstätten gibt es, etliches davon im kommenden Quartal – ein Zeitaufwand, der sich leicht vermehrt.   

2011 noch taktischerweise zuletzt genannt (es ging ums „tazlabپg mit dem Thema Medienrevolutionen), nun (chrono)logisch ganz vorn: Am 14. April wartet im Westberliner Haus der Kulturen, ganz im Schatten des Kanzlerinnenamtes, der „taz Kongress“ der Berliner „Tageszeitung“. Es bietet in Kooperation mit passenden Medien wie „Le Monde diplomatique“, „Freitag“, „Guardian“ oder „Perlentaucher“ viele Veranstaltungen zum guten Leben und dessen Alternativen. 2012 soll vor allem die Öko-Anmutung als angeblicher „Kern der modernen Moral des 21. Jahrhunderts“ entblättert werden. Und es soll die „wichtigste und übelste Lüge der vergangenen, neoliberalen Debatten“ entlarvt werden: dass es keine Alternativen gäbe. Die Ausgangsthese: Das gute Leben sei ein solidarisches Projekt mit anderen, lokal wie international. Fairer Harttobak also.

Ende April wird es weit näher und studentischer, aber ebenso spannend: Die 8. Studentischen Medientage Chemnitz widmen sich vom 27. bis 29. April im neuen TU-Hörsaalgebäude der Begriffstroika „Medien. Macht. Verfall.پg Große Namen und fertige Antworten vermeidet schon das Konzept: Die Medientage verstehen sich als Fachkonferenz für Studenten und Medieninteressierte, welche durchweg studentisch, also ehrenamtlich und kostenlos, organisiert wird. Das gibt es in der Art bundesweit nur in Chemnitz, vorrangiges Ziel ist es, die Möglichkeit zu geben, aktiv Konferenzerfahrung zu sammeln, sich auszuprobieren und dabei zu lernen.

Eingeworbene Gelder dienen dazu, ausländische Referenten von den Partneruniversitäten in Osteuropa die Reise zur Konferenz zu ermöglichen und somit den wissenschaftlichen Austausch zu befördern.

 Das komplette Gegenkonzept bietet Leipzig neun Tage darauf. Mit richtigem Presseausweis ausgestattet ist jedoch auch der Medientreffpunkt Mitteldeutschland – generell etwas rundfunklast- und partylustig – eine sinnfällige Vernetzungsanstalt. Im 15. Jahrgang vom 7. bis 9. Mai wartet in der in der Leipziger Mediacity das fluffig-beliebige Motto „Medien in Bewegung – Vielfalt, Mobilität, Strukturen“, auf dessen thematische Fixierung sich man noch bis Ende März gedulden muss. Lesen kann man derweil nur soviel: „Mit dem offiziellen Leitthema biegt die Organisation des nächsten Medientreffpunktes langsam auf die Zielgerade ein. Die meisten Panelthemen stehen fest, die Anfragen an die Podiumsdiskutanten warten auf ihre Antworten. In den kommenden Wochen und Monaten werden alle Themen nach und nach ausführlich vorgestellt, um bereits jetzt einen Eindruck zu vermitteln, was Sie auf dem MTM 2012 erwartet.“ Es bleibt also spannend.

Genau fixiert ist hingegen schon ein sympathisch grenzüberschreitendes Projekt: Die 5. Deutsch-Polnischen Medientage widmen sich kurz vor dem Männerfußball-EM vom 14. bis 16. Mai in Schwerin dem sportlichen Großereignis: „Länderspiele: Europa im Turnier“.

Berlin, Chemnitz, Leipzig, Schwerin, Hamburg

Der Ort ist zwar – geografisch gesehen – nicht so recht grenznah, aber halt die Landeshauptstadt des gastgebenden Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern, Tradition verpflichtet. Das Thema ist nicht nur sportlich zu sehen – es soll vor allem darüber diskutiert werden, „wie Europa politisch und wirtschaftlich in der „Champions League“ bleiben kann und welche Herausforderungen hierzu Polen und Deutschland in der Krisenzeit bewältigen müssen.“ Und das, obwohl es diese Liga – vormals als Europapokal der Landesmeister viel spannender, aber weniger erträglich – nur in Europa gibt.

Doch das tut der herzlichen Atmosphäre keinen Abbruch, auch weil grenzüberschreitender Journalismus, (a-)soziale Netzwerke und deren Auswirkungen auf die „alten“ Medien und auch regionale Themen, die über die Oder-Neiße-Friedensgrenze schwappen auf der Agenda stehen.

Aber natürlich sollen sich per großer Debatte Sportler, Sportjournalisten und Sportfunktionäre über die Verflechtung von Sport, Medien und Kommerz austauschen. Und als Höhepunkt wird wie jedes Jahr per Gala die Verleihung des Deutsch-Polnischen Journalistenpreises zelebriert – heuer im Schweriner Filmpalast Capitol. Der Preis wird 2012 bereits zum 15. Mal vergeben, aus 154 Beiträgen können die Juroren die Preisträger in Kategorien Print, Hörfunk, Fernsehen auswählen.

Von dort ist es sowohl terminlich als auch so nicht mehr weit bis zur Medienhauptstadt Hamburg. Einen Monat eher als sonst – und im aufgewühlten Fahrwasser der Vorstandsturbulenzen von 2011 – lädt das Netzwerk Recherche am 1. & 2. Juni ins NDR-Konferenzzentrum zur nr-Jahreskonferenz 2012. In direkter Nachbarschaft und personeller Symbiose mit dem Medienmagazin ZAPP ist hier die Verleihung der „Verschlossenen Auster“ für öffentliche Dichthalter der Höhepunkt in einem Konglomerat aus fast einhundert einzelnen Veranstaltungen für sicher wieder rund 700 Medienmädchen und -männchen, darunter etliche Alpa-, Beta- und Gamma-Journalisten.

Hier gilt wie überhaupt in den beschriebenen sieben Wochen: die Qual der Auswahl. Daher zum Schluss noch ein wenig Weitsicht: Für Anfang Oktober plant der DJV Sachsen eine neue erlebnis- und kontaktorientierte Werkstatt für junge Journalisten, die Reise soll von Dresden nach Tschechien und ins Saarland führen. 

Andreas Herrmann
AH@djv-sachsen.de 

Netzinfos in (chrono)logischer Reihenfolge:

14. April 2012 in Berlin: www.taz.de/zeitung/tazinfo/tazlab/
27. bis 29. April 2012 Chemnitz: www.medientage-chemnitz.de/
7. bis 9. Mai 2012 in Leipzig: www.medientreffpunkt.de/
14. bis 16. Mai 2012 in Schwerin: www.medientage.org/ 
1./2. Juni 2012 in Hamburg: http://jahreskonferenz.netzwerkrecherche.de/

Über djvintern
Der DJV Sachsen wurde 1990 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband die Interessenvertretung der Journalistinnen und Journalisten im Freistaat Sachsen.

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