Schwierige deutsche Sprache

Sprache k swViele, die mit der deutschen Sprache zu tun haben, haben es schwierig. Manchmal auch Journalisten. So bei moderner Kunst. Solche „Werke sind nur schwierig zu entschlüsseln“, wurde kürzlich konstatiert, mit einem Bild illustriert und dazu kommentiert: „Unbewusst und unerhört“. Es blieb offen, ob es unerhört schwierig oder mehr unbewusst schwer zu deuten sei.
Fest steht aber eins: Manche Werke sind eben nur schwer zu entschlüsseln, weil es halt schwierig ist, sie zu verstehen.

Bei Sportreportern sind  vorzugsweise Erwartungshaltungen schwierig zu erfüllen. Simple Erwartungen kennen sie anscheinend nicht. Aber wem würde es imponieren, wenn einer so auf Stelzen daherkäme: „Es fällt einem schwierig, wenn man auf schwere Fragen keine Antwort findet, sondern lauter Schwerheiten sieht, die man nur schwierig benennen kann.“ Auf Dauer wäre das ein wirklich schwierigwiegendes Problem!

Geschraubter Stil wirkt lächerlich. Peinlich wird es aber, wenn entgegen dem Wortsinn geschrieben wird. Man kann nicht auf Zustimmung stoßen; man kann sie finden oder auf Ablehnung stoßen. Protestdemonstrationen für die Ablehnung von Mindestlöhnen sind ein ebensolches sprachliches Unding wie Proteste für höhere Löhne, weil sich ein Protest immer gegen etwas richtet. Superpeinlich aber, wenn die Bedeutung eines Wortes gar nicht erkannt wird. Da steht über einem ziemlich krausen Kommentar: „CDU-Chef beschämt Opfer“. Nun kann man knochenharte Kontrahenten durch die eigene Kulanz beschämen, wie aber Opfer? Geht nicht. Gemeint ist vielmehr die beschämende Art seiner eigenen Äußerungen, für die sich der Mann selbst schämen müsste.

Zeitungsdeutsch“ ist verpönt, dabei ist es meist ein Abklatsch vom Abgeordneten-, Juristen-  und Beamtendeutsch. Zwar habe ich noch nicht in einer Zeitung gelesen, dass ein Bankräuber fußläufig geflüchtet sei, wie ein Polizeibericht feststellte, aber aus einem solchen wurde schon mal übernommen, dass sich Chaoten mit der Polizei geschlägert hätten.

Dann diese Modewörter: Reihenweise Baustellen, Stellschrauben oder Schnittlängen, meist suboptimal, belastend oder unerträglich, aber alternativlos. Neuerdings gibt es nichts, was nicht nachhaltig sein müsste, ob Finanzordnung oder Futtermittelkontrolle, Territorialplanung oder Terrorismusbekämpfung. Geiler Geiz ist out, jetzt geht es um nachhaltigeSparsamkeit. Ein Reklameblatt rühmt Thunfisch-Filet: Es werde – das Filet! – „mit Langleinen nachhaltig gefischt“. Bereits lange vor der gerade in London beendeten Olympiade versprach Münchens OB Christian Ude „die nachhaltigsten Winterspiele 2018“.

Zum Glück folgen Journalisten nicht jedem Trend der Werbebranche. Früher konnte man sich elegant oder sportlich kleiden. Heutzutage ist die Mode sportiv, und in der Reklame ist von anti-infektiven Wirkstoffen die Rede. Latente Gefahr: Bald gibt es eine elegantive Mode. Eine pro-pharmative Lobby ist zweifellos längst existent!

Erstaunlich: Manche Redakteure waren wohl schlechten Deutschlehrern ausgeliefert. Da wird dem Verstorbenen gedacht und dessen größter Verdienst (jedoch ohne Gehaltsangabe) gewürdigt, da bringt Koma-Saufen ein Mädchen in die Klinik, verlässt ein Baum in Pillnitz sein Gewächshaus, erwägt eine Stadt Stellenabbau, ist eine Frau verunfallt – oder wurde sie verunfallt?

Übrigens: von wegen dem Genetiv sei der Dativ sein Tod – im Gegenteil, es häufen sich die falschen Genetive entgegen des richtigen Gebrauchs, entlang des Verlaufs von heute gegenüber des Gesterns.

Mit der deutschen Sprache hat man es halt schwierig.

Manfred Preiß

Über djvintern
Der DJV Sachsen wurde 1990 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband die Interessenvertretung der Journalistinnen und Journalisten im Freistaat Sachsen.

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