Faire Behandlung für Freie

gemeinsame swFür die Zeitungsverlage in Sachsen sind die Vergütungsregeln für freie journalistische Arbeit, die der Deutsche Journalisten-Verband mit den Verlegern ausgehandelt hat, noch immer kaum ein Thema. Doch wie einige Urteile zeigen, die Gerichte im Westen der Republik in diesem Sommer gesprochen haben, kann das im Nachhinein noch teuer werden. Der Bonner Generalanzeiger und die Pforzheimer Zeitung sind dazu verdonnert worden, drei freien Mitarbeitern Honorare in jeweils fünfstelliger Höhe nachzuzahlen. Auch der Dresdner Journalist Mathias Bäumel hat Erfahrungen mit der Kürzung der Vergütungen gemacht. Er vertritt die Ansicht, dass es beim Thema faire Bezahlung um mehr geht, als nur um Gerechtigkeit.

Mathias, nachdem der Fotograf Frank Dehlis mit einem Offenen Brief auf die Honorarkürzungen für Freie Mitarbeiter bei den Dresdner Neusten Nachrichten reagiert hatte, hast Du uns gesagt, dass auch Du Dich darüber beschwert hast. In welcher Form?

Von den geplanten Honorarkürzungen habe ich rein zufällig beim Einkaufen von einem Fotografen erfahren. Deswegen dachte ich zunächst, es handele sich um Honorierungsfragen speziell für Fotografen. Dann hörte ich gerüchteweise, dass die Honorarreduzierung für Freie generell vorgenommen werden soll. Weil man mich nicht informiert hatte, fragte ich in der DNN-Kulturredaktion per E-Mail am 9. Januar 2013 nach. Dort wurde mir die einseitig vorgenommene Reduzierung telefonisch bestätigt. Da sich auch einige Wochen später in dieser Sache nichts zum Positiven gewandelt hatte, habe ich dann dem Geschäftsführer der Leipziger Verlags- und Druckereigesellschaft, Halfbrodt, am 15. März 2013 eine E-Mail geschickt.

Darf man erfahren, was Du ihm geschrieben hast? 

Ich habe ihm erzählt, dass ich selbst viele Jahre lang als Freier und gern für die DNN gearbeitet habe, und ich habe ihm unter anderem erläutert, dass zum Beispiel eine 80-zeilige Kulturrezension für den Mitarbeiter fünf Stunden Arbeitszeit bedeuten kann. Setzt man  Stundensätze anderer freier Berufe an, kommen selbst bei knapper Kalkulation mehr als 150 Euro zusammen. Bei der untersten Grenze des in Deutschland festgesetzten Mindestlohns von 7 Euro wären es immer noch 35 Euro. Die DNN bezahlen aber nur 24 Euro.

Außerdem habe ich ihn gebeten, die Honorarkürzungen noch einmal zu überdenken, weil sie ungerecht sind gegenüber einer Gruppe von Mitarbeitern, die in der Vergangenheit sehr engagiert für die Qualität der Zeitung gearbeitet und somit auch zur Sicherung der Arbeitsplätze von festangestellten Redakteuren beigetragen hat. Schließlich habe ich auch die Verfahrensweise bei der Einführung der Reduzierung kritisiert.

Was hat er geantwortet?

Nachdem ich bis zum 26. April keine Antwort erhalten hatte, habe ich gemahnt und schließlich am 29. April eine kurze, nichtssagende Antwort erhalten.

Angesichts dramatischer Beispiele – FTD, Frankfurter Rundschau, WAZ-Gruppe, um nur die prominentesten zu nennen – kann man ja aber die Augen auch nicht verschließen vor Finanzproblemen der Zeitungsverlage…

Die Verlage befinden sich in einem Teufelskreis. Auf den kulturellen Paradigmenwechsel Print–Online und die daraus resultierenden Probleme reagieren sie mit der Kürzung des finanziellen Aufwandes für den redaktionellen Teil ihrer Zeitungen, statt mit innovativen Strategien und neuen Konzepten. Dadurch werden Zeitungen für die Leser weniger attraktiv und die Probleme im Endeffekt noch größer. Die Freien als schwächstes Glied in der Kette spüren das jetzt gerade ganz besonders.

Nun ist es für Dich einfach, Kritik zu üben. Als Angestellter im Öffentlichen Dienst beziehst Du Gehalt und bist deswegen auf die Honorare aus der freien Mitarbeit bei Tageszeitungen existenziell nicht angewiesen. Was sollen aber die Kollegen tun, die sich in einer weniger komfortablen Situation befinden?

Grundsätzlich halte ich es für wichtig, die Honorarkürzungen in der Sache, aber auch hinsichtlich des Verfahrens bei ihrer Einführung zu kritisieren. Dass auch ich mich diesbezüglich zu Wort gemeldet habe, ist zusätzlich eine Frage der Solidarität mit jenen Kollegen, die befürchten müssen, dass sie vielleicht keine Aufträge mehr bekommen, wenn sie eine angemessene Bezahlung fordern. Allerdings: Ich kann diesen Kollegen, die in dieser schier aussichtslosen Lage sind, nicht besserwisserisch sagen, was sie nun tun sollten. Manches ist eine Frage der Unternehmenskultur und der Ethik des Miteinanders. Die Verlags- und Redaktionsspitzen sollten begreifen, dass sie auch und ganz besonders von der guten Arbeit der vielen freien Mitarbeiter leben, denen Qualität und inhaltliches „Gesichtپg der jeweiligen Zeitung entscheidend zu danken sind – kaum jemand würde wohl eine Zeitung abonnieren, die ohne diese freien Mitarbeiter und deren Artikel in den Ressorts Lokales, Region, Sport, Kultur und Heimatgeschichte auskommen müsste.

Mathias Bäumel, geb. 1953, war 1990 bis 1994 Redakteur für Wissenschaft und Kultur der DNN, ist seit 1994 freier Mitarbeiter der DNN ganz überwiegend in der Kultur, seit 1995 neben seiner Tätigkeit als Angestellter im Öffentlichen Dienst.

Das Interview führte Holger Grigutsch

Zapp-Beitrag zum Thema

Über djvintern
Der DJV Sachsen wurde 1990 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband die Interessenvertretung der Journalistinnen und Journalisten im Freistaat Sachsen.

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