Rat und Stil aus dem „Nutzwerk“

nutzwerk swAlles aus einer Hand, das war einmal. Auch ein bisher tief integriertes Medienhaus wie die Chemnitzer Verlag und Druck („Freie Presse“) folgt inzwischen der Mode der Zeit und gliedert Abteilungen in Tochterfirmen aus. Erstmals ist nun auch ein Teil der Redaktion, ein klassisches Ressort, herausgelöst und in eine neue Gesellschaft eingebracht worden. Die Nutzwerk GmbH wurde von den Chemnitzern und dem Dresdner Verlagshaus DD+V („Sächsische Zeitung“) gegründet, um Mantelseiten für beide Regionalzeitungen kostensparend zu produzieren.

Die Betriebsräte der Stammhäuser in Dresden und Chemnitz stehen seit Mai im Kontakt und begleiten die Entwicklung kritisch. Geprüft wird, ob es sich um einen Betriebsteilübergang nach §613a BGB handelt und ob ein einheitlicher Betrieb im Sinne des BetrVG anzunehmen ist.

Für die betroffenen Kollegen hat Anfang September der Arbeitsalltag begonnen. Die Nutzwerk GmbH ist im Pressehaus der SZ angesiedelt. Die Fahrtzeit der Chemnitzer dorthin beträgt täglich eine knappe Stunde. In der neuen Gesellschaft (7,5 Stellen) arbeiten frühere Kollegen des Lebensstil-Ressorts der SZ und des Ratgeberressorts der FP zusammen. Obwohl beide Mutterhäuser Anteile in gleicher Höhe halten, ist die Agentur überwiegend mit Dresdner Kollegen besetzt. In der Chemnitzer Redaktion gibt es Befürchtungen, die Ratgeber-Seiten der „Freien Presse“ könnten zu Dresden-lastig werden.

Auch die Vorgeschichte der Agentur sorgte unter den Chemnitzer Kollegen für Irritationen. Chefredakteur Torsten Kleditzsch erklärte, die Initiative sei von den Chefredakteuren, Uwe Vetterick und ihm, nicht aber von der Verlagsseite ausgegangen. Man behalte so das Heft des Handelns in der Hand. Dass nach gleichem Muster weitere redaktionelle Kompetenz abgegeben werden könnte, wurde von Kleditzsch vor den Chemnitzer Redakteuren verneint.

Den Kollegen der Nutzwerk GmbH wurde ein Rückkehrrecht in die Stammhäuser bis 31.12.2016 gewährt. Die Dresdner Kollegen waren bisher tarifgebunden, jetzt sind sie es nicht mehr. Die Chemnitzer Redakteure wurden bereits vorher nicht nach Tarif bezahlt. Eine Dresdner Redakteurin, die nicht in die neue Gesellschaft wechselte, ist in Altersteilzeit gegangen. Zwei frühere Chemnitzer Ratgeber-Redakteurinnen, die nicht zu Nutzwerk wechseln sollten, arbeiten inzwischen im Lokalen.

Mit Spannung und mit gemischten Gefühlen wird im Kollegenkreis verfolgt, ob die Agentur die in sie gesetzten Erwartungen  – aus Dresdner und aus Chemnitzer Sicht  – erfüllen kann.

Ronny Schilder

Über djvintern
Der DJV Sachsen wurde 1990 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband die Interessenvertretung der Journalistinnen und Journalisten im Freistaat Sachsen.

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