Blick hinter eigenen Horizont

zeitung [hprfoto]Eine Jahresvorschau der Medienkongresse für Journalisten mit Anspruch

Schon jetzt steht fest: Der Deutsche Presserat wird 2015 sein arbeitsreichstes Jahr erleben. Nie war die Zahl der Beschwerden größer, lange der Ruf von Presse, Funk und Fernsehen nicht schlechter – also Diskussion über Zustand, Qualität und deren Standards sowie die Entwicklung nötiger. Ansonsten stehen wohl bald Privilegien und damit Geschäftsmodelle und Einfluss der selbst ernannten „vierten Macht“ auf dem Spiel. Hier daher ein kurzer Rundflug über die wichtigsten Szenentreffs in Frühjahr wie -sommer 2015 – zur nachhaltigen Erbauung von Journalisten mit Anspruch – also jenseits von Empfängen, Bällen oder Lounges mit dem Vornamen „Presse“.

Der wichtigste Akt in der Nähe ist in der Hochburg der flüchtigen Medien, der gefühlten Hauptstadt ganz Mitteldeutschlands, dessen Vereinigung aber nun dank der Thüringer Wähler weit weit weg ist. Das wird auch den Medientreffpunkt Mitteldeutschland, jene rundfunklast- und partylustige Veranstaltung, die im 17. Jahrgang vom 4. bis 6. Mai 2015 in Leipzig groß inszeniert wird, beeinflussen. Denn anders als sonst wird die so genannte „Medienpolitische Rede“ ein mediales Ereignis. Es spricht: Bodo Ramelow, erster roter Ministerpräsident der grünen Lunge Deutschlands. Im Anschluss daran gibt es das große mitteldeutsche Pegida-Forum: „Gesellschaft aus der Balance? Die Glaubwürdigkeit von Politik und Medien“, heißt es und stellt spannende Fragen in metaphorischer Korrektheit: Wie kann neues Vertrauen entstehen? Wer schafft die sachliche Einordnung und Darstellung der Ereignisse? Welcher Verantwortung muss sich die Gesellschaft stellen? Gegen Ramelow treten an: die Herren Möller (MDR), Jung (Leipzig) und Richter (Bildung). Der Ausgang (siehe Fragen): so offen wie vertrauensvoll. Und nur letzterer ist Ossi und biografisch wendeerfahren. Das Verhältnis dürfte unter Zuhörern ähnlich sein.

Spannend hingegen das Leitthema „Neue Balance“ für rund 40 Veranstaltungen – oder besser noch: dessen Begründung: „In der analogen Medienordnung sind trotz oder vielleicht gerade wegen eines systemimmanenten Mangels eine professionelle Vielfalt und funktionierende Geschäftsmodelle entstanden. Mit der Aufhebung des Mangels durch die Digitalisierung und das Netz sind neue Möglichkeiten der Verbreitung entstanden, die Platz für individuelle Betrachtungen und Meinungen geschafft haben.“ Auweija.

Doch es kommt noch dicker: „Für die Branche und ihre Akteure gilt es, eine neue Balance zu schaffen, in der sich neue Geschäftsmodelle und professionelle Vielfalt einander vereinen. Eine große Aufgabe nicht nur für Medienunternehmen, sondern auch eine große gestalterische Herausforderung für die Ordnungspolitik.“ Das klingt verräterisch nach alten, bewährten (resp. bewehrten) alten Balancen. Ein Untertitel wie zum Beispiel „Renaissance der Vernunft“ (wie anno 2011) hätte da gar nicht gepasst.

Alle Informationen, die derzeit für die 8. Deutsch-Polnischen Medientage verfügbar sind: Sie werden stattfinden: am 21. und 22. Mai in den Sälen der Książnica Pomorska in Stettin und haben das maritime Motto „Deutschland und Polen – neue Anker Europas“. Daher erinnern wir uns an die Vergangenheit: Die 2. Deutsch-Polnischen Medientage in Stettin 2009 standen unter dem Motto „20 Jahre später …“ und boten die Gelegenheit zu Begegnungen mit Zeitzeugen von 1989 wie Hans-Dietrich Genscher, Lech Wałęsa, Tadeusz Mazowiecki und Aleksander Kwaśniewski. Das zeugt echte Vorfreude auf 2015. Denn eigentlich kann es nicht mehr trivialer wie Breslau 2013 oder Potsdam 2014 werden. Aber wir vertrauen da komplett auf Politik wie Medien.

Die Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft feiert zuvor ihr ubiläum – und zwar vom 13. bis 15. Mai die 60. Jahrestagung an der TU Darmstadt. Diese hat zwar das Thema „Verantwortung – Gerechtigkeit – Öffentlichkeit“ ausgerufen, wird aber dabei en passant die wachsende Differenz von Wissenschaft, Gesellschaft und Journalismus in systemischer Manier zeigen.

So bleibt alle Hoffnung auf aktuelle Relevanz beim traditionellen Jahreshöhepunkt der investigativen wie zukunftszugewandten Journalisten hängen, aber auch beim Jahrestreffen von Netzwerk Recherche gibt es zum Zeitpunkt der Drucklegung noch kein genauer Programm, nur Termin und Ort stehen fest: am 3. und 4. Juli in der Hamburger NDR-Fernsehzentrale – also in direkter Nachbarschaft und personeller Symbiose mit dem Medienmagazin ZAPP und der Tagesschau.

Andreas Herrmann

Netzinfos zu Medienkongressen:

* 4. bis 6. Mai 2015 in Leipzig: www.medientreffpunkt.de

* 13. bis 15. Mai 2015 in Darmstadt: www.dgpuk2015.de

* 21./22. Mai 2015 in Stettin: www.medientage.org

* 3./4. Juli 2015 in Hamburg: http://jahreskonferenz.netzwerkrecherche.de

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Über djvintern
Der DJV Sachsen wurde 1990 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband die Interessenvertretung der Journalistinnen und Journalisten im Freistaat Sachsen.

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