Lokal, fair und transparent

24-leipziger-zeitung-karokWie die LEIPZIGER ZEITUNG eine Lücke füllen will

„Ein Vorgeschmack auf das, was möglich ist“

„Kühnes Beginnen ist halbes Gewinnen“. So steht es im Editorial der Ausgabe Null der LEIPZIGER ZEITUNG. In der Tat: Erscheint es nicht durchaus kühn, in Zeiten des Zeitungssterbens ein neues Wochenblatt auf den Markt bringen zu wollen? Verneinendes Kopfschütteln bei den Gründern und Geschäftsführern Moritz Arand, Cesare Stercken und Robert Dobschütz. Die Stadt brauche endlich eine neue Zeitung. Und die Ausgabe Null vom 20. März sei „ein Vorgeschmack auf das, was möglich ist“.

Und eigentlich auch nötig ist, gibt es doch derzeit nur eine einzige Tageszeitung in der Messestadt. Lokal, fair und transparent will sie deshalb sein, die LZ, deren erste reguläre Ausgabe am 22. Mai erscheinen soll. Lokal, weil man genau die Themen analysieren und kommentieren will, welche die Leipziger direkt betreffen. Fair bedeute „fair in jeder Hinsicht“, betont Arand: gegenüber den Lesern genauso wie gegenüber den eigenen Mitarbeitern und den Werbekunden. Transparenz sei wichtig, um Recherchen für die Leser nachvollziehbar zu machen und die wirtschaftliche Situation bestmöglich darzulegen.

leipziger-zeitung-netzVor allem auch aus letztgenanntem Grund hat die LEIPZIGER ZEITUNG so genannte Leserkonferenzen initiiert. Die erste fand am 25. März in der Leipzig School of Media statt. Etwa 25 Leser waren gekommen, um die Macher kennenzulernen sowie Lob, Bedenken und auch ihre Wünsche zu äußern. „Erst mal: Kompliment!“, begann ein Leipziger ganz offen. Und lobte das Titelthema der Ausgabe Null, welches sich mit Wohnungspolitik und Immobilienspekulation befasst. Der Leipziger Medienmarkt sei „unterfüttert“, betont ein anderer Leser. Da sei es nur gut, wenn es weitere Mitbewerber gäbe. Dann war Cesare Stercken gefragt, als es um die Finanzierung der Wochenzeitung ging. Die Vorverkaufsphase zur Anschubfinanzierung werde bis 30. April laufen. Ziel sei es, bis dahin 3.000 Abonnenten zu gewinnen. Allerdings: „Umso mehr Menschen ein Abo abschließen, desto weniger sind wir abhängig von anderen Finanzierungsmodellen.“ Von anderen Finanzierungsmodellen wie beispielsweise der klassischen Anzeige.

 

Print- und Onlineerfahrungen fließen mit ein

Und auch die entscheidende Frage, nämlich, wie sich ein neues Printmagazin im Internetzeitalter behaupten könne, wurde gestellt. Das Internet sei ja nicht der Ersatz für das gedruckte Wort, stellte Arand klar. Das Optimum sei vielmehr, „dass Online und Print sich ergänzen“. Um das zu gewährleisten, habe man eine enge Kooperation mit der Leipziger Internet Zeitung geschlossen.

24 Die_drei_GruenderDass das Projekt LEIPZIGER ZEITUNG (LZ) funktionieren könnte, lässt sich erahnen, wenn man die drei Geschäftsführer live erlebt – ihre Begeisterung, ihr Engagement und ihren starken Wunsch, etwas zu verändern. So wirkten Arand und Stercken auch auf die mehr als 20 Kollegen, die am 30. März beim LeMoMo* im Leipziger Café Grundmann dabei waren.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Erfahrung, die alle drei mitbringen – aus dem Print- und Onlinebereich. So haben Arand als Chefredakteur und Stercken als Herausgeber mehrere Jahre lang die (kostenlose) Leipziger Stadtteilzeitung 3VIERTEL verantwortet, die Ende 2014 eingestellt wurde. Robert Dobschütz ist seit neun Jahren Marketingleiter der Leipziger Internet Zeitung. Die L-IZ, die zur Mitteldeutsche Online Medien Ltd. gehört, hat monatlich immerhin ca. 200.000 Leser. Teil des Gemeinschaftsprojekts LEIPZIGER ZEITUNG ist außerdem die junge Netzplattform weltnest.de.

Ich bin mir sicher, dass die Kollegen die erste Hürde nehmen werden – und sich zum Monatsende über genügend Abos freuen können. Doch danach wird es erst richtig spannend: Schafft es die LZ, auf lange Sicht wirtschaftlich erfolgreich zu sein? Kann man dauerhaft Leser gewinnen, die bereit sind, für guten Lokaljournalismus zu bezahlen? Gelingt es, nicht nur guten, sondern sehr guten Lokaljournalismus zu bieten – und dadurch die Medienlandschaft im mitteldeutschen Raum wirklich zu bereichern? Werden die überwiegend freien Mitarbeiter angemessen (und pünktlich) bezahlt? Fragen, welche sich auch durch die Leserkonferenzen nicht beantworten lassen. Sondern nur durch die Arbeit aller LZ-Mitwirkenden – insbesondere durch die der Geschäftsführer.

„Kühnes Beginnen ist halbes Gewinnen“ hat Heine einst gesagt. Und Moritz Arand vollendete in der letzten Ausgabe von 3VIERTEL: „Deshalb frisch zur Tat. Zu neuen Ufern lockt ein neuer Tag!“ 

Regina Raedler
(Text und Fotos)

* LeMoMo: Das sind Legendäre Montags-Momente, meistens am letzten Montag im Monat. Der Stammtisch für junge und jung gebliebene Journalisten. Immer kostenlos, nie umsonst. Eine Initiative des DJV Sachsen.

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Über djvintern
Der DJV Sachsen wurde 1990 gegründet und ist als Mitglied im Deutschen Journalisten-Verband die Interessenvertretung der Journalistinnen und Journalisten im Freistaat Sachsen.

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